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AKTION „BLÜTEN FÜR ALLE“

Flower
Power

Ursprünglich hatten wir vor, unsere Honigaktion vom Dezember 2020 aufgrund des tollen Feedbacks zu wiederholen. Doch wie uns unser Imker Steffen Seibold mitgeteilt hat, waren seine Bienen in diesem Jahr nicht annähernd so produktiv und konnten gerade mal ihren Eigenbedarf produzieren.

Daraufhin haben wir uns überlegt, was jeder von uns mit einfachen Mitteln tun kann, damit es den Bienen besser geht. Am besten geben wir den Bienen das, was sie verdienen: Viele Blüten!

Unsere Premium Saat-Tüte ist dafür ideal: Einfach im kommenden Frühjahr nach dem letzten Frost aussäen. In der Bienenblumenmischung sind fast 30 verschiedene Blumensorten vereint, die speziell auf die Nahrungsquellen von Bienen abgestimmt wurden.

INSIDER

Über das Bienenhonigjahr 2021. Nachgefragt bei Imker Steffen Seibold

„Das Bienenhonigjahr kann man mit Fug und Recht als schlichtweg „furchtbar“ einstufen. Viele Imker konnten dieses Jahr überhaupt kein Honig ernten. Auch seine Bienen waren davon betroffen. Den wenigen Honig, den sie eintragen hätten können, haben wir den Bienen gelassen. Erstmalig seit ich Bienen habe, musste ich sogar zufüttern.Nach meiner persönlichen Einschätzung kamen dieses Jahr einige unvorteilhafte Faktoren für die gewohnte Bienenproduktion zusammen – und das hat sich über das ganze Jahr fortgesetzt. So hat es beispielsweise über das Jahr zu „falschen“ Zeitpunkten über einen längeren Zeitraum geregnet. Dann war es lange Zeit schlichtweg zu kalt. Und dann kommt hinzu, dass es eben auch Jahre gibt, in denen Teile der Vegetation einfach nicht „honigt“.

BIENENEXPERTE

Das große Interview zum Jahresende mit Bienenexperte Prof. i.R. Dr. Juergen Tautz

Vorstellung

Prof. i.R. Dr. Juergen Tautz ist Soziobiologe, Verhaltensforscher, Hochschullehrer und Bienenexperte. Er ist Vorsitzender des Vereins Bienenforschung Würzburg e.V. c/o HOBOS an der Universität Würzburg.

Vorwort Katja Lafferenz (Marketing)

Herr Tautz, wir freuen uns sehr, dass wir einen so renommierten Bienenexperten wie Sie dafür gewinnen konnten, auf unsere unterschiedlichen Fragen aus dem CombiSystems-Team einzugehen.

Frage Bodo Grimm (Firmengründer CombiPlus und Combi-Connect): Wo übernachten Wildbienen? Welche Auswirkungen haben Wildblumenwiesen auf Wildbienen?

Die Frage ist hier, was mit Wildbienen gemeint ist? Zum einen gibt es wildlebende Honigbienenvölker, die nicht beimkert sind – und es gibt die solitären Wildbienen, die keine Staaten bilden. Ich gehe davon aus, dass bei der Frage diese Bienen gemeint sind. In Deutschland haben wir davon etwa 500 verschiedene Spezies, doch wie überall werden es immer weniger, die Artenvielfalt schwindet einfach immer mehr. Bei diesen Bienen gibt es tatsächlich ein Schlafverhalten, sie schlafen regelrecht. Diese Tatsache hat vor wenigen Jahrzehnten mein Seniorenfreund und Kollege Prof. Walter Kaiser entdeckt. In den 1970er Jahren hat er eine Arbeit publiziert mit dem Inhalt „Schlafende Bienen“ und damit nur Hohn und Spott geerntet. Der Schlaf als Verhaltensweise wurde nur den höheren Tieren zugeordnet. Mittlerweile ist es ein riesiges Forschungsgebiet geworden. Viele Institute arbeiten daran, was man anhand des Schlafs von Insekten über den Schlaf von uns Menschen erfahren kann. Beispielsweise lernt man, dass Schlaf mit Erholung rein gar nichts zu tun hat. Schlaf dient dazu, das Gedächtnis zu konsolidieren. Wenn wir Menschen schlafen, sondiert unser Gehirn, welche relevanten Dinge festgehalten werden sollen und welche nicht. Bei den Bienen ist es genauso. Sie schlafen ebenso wie wir und haben wahrscheinlich sogar Traumvorstellungen. Werden Bienen am Schlaf gehindert, ist die nächste Schlafperiode sehr viel tiefer, als wenn sie nicht am Schlaf gehindert worden wäre. Bienen, die wach gehalten werden, lernen sehr schlecht und vergessen sehr viel. Sie zeigen also ein ganz ähnliches Verhalten wie wir Menschen.

Doch zurück zu der Frage wo Wildbienen übernachten. Diese solitären Wildbienen haben keine Nester. Sie übernachten draußen im Freien, wie viele andere Insekten auch. So hat es Walter Kaiser zum ersten Mal entdeckt. Sie heften sich mit ihren Mundwerkzeugen an Grashalmen fest, strecken die Beine nach hinten, hängen nur noch mit ihren Kiefern am Grashalm und schlafen tief und ganz entspannt. Dabei sind sie durch nichts aus der Ruhe zu bringen. So geht das so lange, bis das Sonnenlicht sie morgens wieder weckt.

Zwischenfrage Katja Lafferenz (Marketing): Schlafen die Bienen dann nur nachts oder auch mal tagsüber, wenn sie erschöpft sind?

Bienen leben in zwei Welten. Einmal zu Beginn ihres Lebens im Bienenstock. Zirka drei Wochen lang kommen sie aus dem Bienenstock nicht raus. Und sie leben außerhalb des Bienenstocks an den Blüten beziehungsweise wenn sie die Blüten anfliegen und wieder zurückfliegen in den Stock. Die Sammelbienen, die rausgehen, haben einen Tag- und Nachtrhythmus. Die Bienen im Stock leben in dauernder Dunkelheit. Sie wissen nicht, ob es Tag oder Nacht ist. Sie schlafen, wenn sie müde werden, mal hier mal dort im Bienenstock.

Frage Stefan Grimm (Geschäftsführer CombiPlus): Wie schnell können Bienen fliegen und welche Strecken legen sie zurück?

Bienen fliegen maximal 30 km/h schnell. Im Verhältnis zu uns Menschen betrachtet, entspricht das der Geschwindigkeit eines Sprintweltrekordlers über 100 m. Das sind 10m in der Sekunde. Interessant an der Fluggeschwindigkeit: Nur langsam fliegende Bienen können Farben sehen, sie sehen die Welt bunt. Wenn sie schneller fliegen, wird die Welt schwarz-weiß. Das macht auch Sinn, denn die schnell fliegende Biene muss lediglich Hindernisse erkennen können.

Die Frage der Reichweite hängt von der „Tankfüllung“ ab. Der Treibstoff den sie verbraucht ist der Honig. Bevor sie losfliegt, füllt sie ihren Tank mit Honig, und zwar entsprechend ihrer erwarteten Flugdistanz. Dieser Tank befindet sich in einem Darmabschnitt am Hinterleib der Biene. Sie schluckt den Honig, und der sehr dehnbare Abschnitt des Hinterleibs kann sich mit Honig füllen. Wenn eine Biene diesen Tank komplett füllt, kann sie 10 Kilometer weit fliegen. Das ist die äußerste Reichweite ohne nachzutanken. Die experimentelle Biologie kennt Versuche Bienen „stationär“ fliegen zu lassen, in einer virtuellen Arena mit Simulator, der Bilder an ihr vorbeiziehen lässt, ohne dass die Biene sich fortbewegt. Dabei wird diese Biene immer wieder im Flug nachgefüttert. Bei diesen künstlichen Versuchen legen Bienen dann bis zu 700 Kilometer zurück, was die Biene allerdings an den Rand ihrer Kräfte und Lebensfähigkeit bringt.

In einem natürlichen Zustand liegt jedoch die äußerste Reichweite bei zehn Kilometern. Weiter fliegen sie nicht, da sie sonst mehr Energie verbrauchen würden, als sie einbringen würden. Daher sind Blumenwiesen, die zehn Kilometer entfernt sind, bereits ein Nullsummenspiel für die Biene.

Zwischenfrage Josh Schmidt (Text/Konzeption): Woher weiß die Biene, wohin sie fliegen muss und somit wie viel Honig sie benötigt?

Die Biene hat da zwei Möglichkeiten der Informationsbeschaffung. Zum einen ihre eigene Erfahrung. Bienen suchen die Gegend ab und wenn sie Blumen finden, nehmen sie dort Nektar auf und fliegen direkt wieder zurück. Dieser Weg wird von der Biene mithilfe des optischen Flusses gemessen. Anhand von Bildern, die an ihr während des Fluges vorbeiziehen, kann die Biene Entfernungen messen. So wie wir Menschen aufgrund des optischen Flusses gut Geschwindigkeiten abschätzen können, wie beispielsweise im Zug von Hannover nach Hamburg. Da können wir ganz gut die Fahrtgeschwindigkeit abschätzen. Allerdings: Wenn uns nach zehn Minuten die Frage gestellt wird, wie weit wir gefahren sind – nur vom Blick aus dem Fenster –, dann hätten wir keine Ahnung. Aber genau das kann die Biene. Der Blick aus dem Fenster sozusagen, gibt der Biene Auskunft darüber, wie weit sie geflogen ist. Dieser Entfernungsmesser ist allerdings subjektiv und ungenau.

Die zweite Informationsquelle ist der Tanz der Bienen, der jedoch nur eine Grobinformation für die Biene liefert. Mein Credo der letzten Jahre lautet, die überhöhte Bedeutung, die dem Tanz der Bienen in weiten Kreisen der Wissenschaft zugesprochen wurde, neu zu betrachten, aufzuweichen und zu relativieren. Nur weil Dinge oft genug wiederholt werden, macht es sie noch lange nicht richtig – selbst, wenn sie mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Was man sagen kann ist jedoch: auch durch den Tanz werden grobe Entfernungen wiedergegeben. Ob es sich um einen Kilometer Entfernung handelt oder um fünf Kilometer, das bekommt die Biene dadurch mit. Die für sie wichtige genaue Entfernungen jedoch erfährt die Biene dadurch nicht. Bienen die zu Orten fliegen, die sie kennen, wo sie bereits gewesen können ihren Honigtank perfekt auftanken. Sie kommen buchstäblich mit dem letzten Tropfen da an, wo sie hinwollen – und können dann ein Maximum an Gewinn zurückbringen. Die Bienen, die noch nie an Orten gewesen sind, wo sie hinfliegen wollen, übertanken restlos.

Frage Sebastian Grimm (Geschäftsführer Combi-Connect): Was können Sie zur Wirkung von Propolis sagen?

Zunächst einmal, was ist Propolis? Propolis ist das einzige Produkt im Bienenvolk, das die Bienen nicht selber herstellen. Es ist ein Pflanzenprodukt. Die Pflanzen schützen ihre empfindlichsten Teile, die Knospen, mit Propolis. Im Frühjahr lässt sich das ganz gut testen, indem man beispielweise über eine Kastanienknospe fährt und kleben bleibt. Das ist Propolis. Die Knospe ist für die Pflanze das Empfindlichste, was sie hat. Um diese Knospe zu schützen synthetisiert die Pflanze ein hochkomplexes Gemisch an Substanzen. Fragt man analytische Chemiker danach, dieses Gemisch zu analysieren, rollen sie in den meisten Fällen die Augen nach oben, weil es eben auch von der Pflanze abhängt, wie die genaue Zusammensetzung ist. Der Effekt ist allerdings überall der gleiche: Propolis ist hochgradig antibakteriell und antimykotisch, hilft also auch gegen von Pilzen verursachte Erkrankungen.

Dieses Propolis sammelt die Biene draußen ein – in ihrer Apotheke sozusagen – und bringt es in den Bienenstock, wo sie es nutzt. Vor allem „tapeziert“ sie damit die hauchdünnen Zellwände im Brutnest aus, wodurch Bakterien- und Schimmelbildung verhindert wird. Für den Menschen hat das den gleichen Effekt. Propolis lässt sich in Alkohol auflösen und dann wie Hustentropfen oder eine Mundspülung verwenden. Es hilft gegen Zahnfleischerkrankungen, Erkältungen usw. Ganz im Gegensatz zu dem Gelèe Royal, dieser vermeintlichen Wundersubstanz, die sehr teuer verkauft wird. Gelèe Royal ist die Substanz, die die Königin im Bienenstock bekommt als Futter. Die Königin ist das einzig fruchtbare weibliche Tier im Bienenvolk und zu entsprechender Fruchtbarkeit soll Gelèe Royal verhelfen. Aber das funktioniert bei Menschen so nicht und ist ähnlich überbewertet und falsch, wie z.B. Nashornprodukte etc.

Frage Vincent Grimm (Junior): Wie alt werden Bienen?

Da muss man unterscheiden zwischen den Arbeiterinnen, der Königin und den männlichen Drohnen. Und bei den Arbeiterinnen muss man unterscheiden zwischen den Sommer- und Winterbienen. Im Sommer werden Bienen etwa drei bis fünf Wochen alt. Im Winter können sie bis zu sechs Monate alt werden. Die Bienen müssen ja im Frühjahr wieder einsatzfähig sein. Das ist unmöglich, wenn alle Bienen im Winter sterben würden. Wie diese Unterschiede in der Lebenspanne zustande kommen ist total spannend. Das machen die Bienen nämlich selber. Sie bestimmen, wie alt ihre Schwestern werden können. Am längsten lebt im Bienenvolk die Königin. Sie lebt in der Regel fünf Jahre und bekommt in dieser Zeit zirka zwei bis drei Millionen Kinder. Die männlichen Drohnen leben auch nur ein paar Wochen.

Frage Katja Lafferenz (Marketing): Auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln transportieren Sie Herr Tautz Ihr Wissen über Bienen nach außen? Wie kommunizieren Bienen untereinander „im Team“?

Also ich nutze alles, wovon ich glaube, dass Menschen zuhören und aufmerksam werden, also vor allem die klassischen Wege, sprich Artikel in Zeitschriften und Magazinen, Bücher und auch Fernsehen. Es gibt auch einen neuen Kinofilm, der jetzt im Herbst angelaufen ist mit dem Titel „Tagebuch einer Biene“. Ich konnte dabei über Jahre hinweg bei der inhaltlichen Auseinandersetzung und Aufbereitung mithelfen. Soziale Medien nutze ich noch nicht so umfangreich.

Vor einigen Jahren habe ich eine große mobile Ausstellung fertiggestellt. Die Idee dahinter war, eine große Digitalausstellung zu erstellen mit sechs großen Flachbildschirmen in zwei Dreierreihen. Alle Bildschirme werden mit Sequenzen bespielt. Die Ausstellung ist aktuell abgestimmt auf den Einsatz in großen Flughäfen. Auf dem Münchner Flughafen ist sie meines Wissens noch zu sehen. Diese Ausstellung gehört auch dem Verein Bienenforschung Würzburg e.V., bei dem ich Vorsitzender bin. Selbstverständlich ist die Präsentation nicht nur für den Einsatz in Flughäfen gedacht, sondern ist für unterschiedliche Standorte, Gelegenheiten und Einsatzzwecke durch einen variablen Vorspann leicht adaptierbar.

Zu Ihrer zweiten Frage, was die Kommunikation untereinander angeht, gäbe es einmal mehr sehr viel zu sagen. Aber um es kurz zu fassen: Die Bedeutung der Kommunikation liegt für Bienen darin, dass sie staatenbildende Insekten sind, anders als die meisten anderen Insekten. Nur zwei Prozent aller Insekten haben die Staatenbildung erfunden sozusagen; dazu gehören Bienen, Ameisen, Termiten sowie Hummeln und Wespen. Ein Bienenstaat kann gleichzeitig alles machen, was einzelne Insekten wie Wanzen, Schmetterlinge etc. nur nacheinander machen können. Ein Schmetterling kann sich eben nur fortpflanzen oder sich gegen Feinde zu Wehr setzen, fressen oder sich eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Ein ganzes Bienenvolk – der Bien –, wie man auch sagt, kann das alles gleichzeitig. Damit das sinnvoll funktioniert, muss jede Biene wissen, was sie wann, wo, und wie intensiv tun muss. Für dieses Wissen braucht sie Informationen. Und dafür gibt es zwei Quellen.

Eine Quelle ist ihr eigenes Erleben. Daraus leitet sie ab, was in der jeweiligen Situation konkret gemacht werden muss. Eine weitere Informationsquelle kommt von den anderen Bienen in Form von sehr feinen Schwingungen. Es ist ja dunkel im Bienenstock, mit Licht lässt sich da nichts vermitteln. Und draußen, außerhalb des Bienenstocks ist die Chemie ganz wichtig. Bienen verfügen über einen enorm empfindlichen Geruchsinn. Die letzten 100 Jahre hat sich die Bienenforschung intensiv damit befasst, was genau im Bienenstock passiert, und überhaupt nicht, was draußen vor sich geht. Man dachte lange Zeit, dass Bienen im Stock soziale Lebewesen sind und draußen als Einzelkämpfer unterwegs sind. Aus heutiger Sicht stimmt das überhaupt nicht. Bienen sind auch außerhalb des Stocks soziale Lebewesen. Allerdings ist die Forschung draußen schwierig, bei einem Insekt, das so klein ist wie die Biene und dreißig kmh schnell fliegt. Aber dann zu glauben sie tut draußen nichts, das ist die einfachste Lösung für die Wissenschaftler. Insofern ist die Bienenforschung in den letzten 100 Jahren da in eine Art Falle hineingeraten.

Zwischenfrage Josh Schmidt (Text/Konzeption): In diesem Lernprozess, machen Bienen dabei „Fehler“? Machen sie auch Dinge falsch – abgesehen davon, dass sie ihren Honigtank beim ersten Arbeitsflug hoffnungslos übertanken?

Auch hier gib es wieder zwei Ansätze: Zum einen ist das die Frage nach der Tradition im Bienenstock. Der zweite Aspekt ist die Ehrlichkeit der Information sozusagen. Um gleich mal hier anzusetzen: Ich hatte einmal die Gelegenheit in Frankfurt a.M. vor Managern einen Vortrag zu halten über Bienen bzw. der Frage, wieviel Lüge und Unehrlichkeit sich ein Bienenvolk eigentlich leisten darf. Warum gibt es eigentlich keine richtig lügenden Bienen, die hätten ja als Individuum unglaublich Vorteile davon. Wodurch wird das verhindert? Um mich kurz zu fassen: Bienen lügen einfach nicht. Außer der Forscher bringt sie dazu.

Was die Frage der Tradition des Lernens angeht, also das Erlernen der Fehlervermeidung durch andere, muss man berücksichtigen: es hat in den vergangenen 30 Millionen Jahren noch keine einzige Honigbiene gegeben, die nicht im Kontext mit anderen Bienen aufgewachsen ist. Jede Biene wächst in einem Sozialverband auf. Das ist die perfekte Voraussetzung für die Weitergabe von Information. Bienen müssen unheimlich viel wissen. Sie müssen so viel wissen, dass weder das Genom ausreichend ist um diese Informationen genetisch weiterzugeben, noch reicht das Gehirn aus, von Geburt an schon alles zu wissen. Was die Bienen allerdings mitbekommen haben, ist eine überragende Lernfähigkeit. Wenn die Biene zum ersten Mal in ihrem Leben auf einer Nelke gelandet ist, vergisst sie nie wieder, wie eine Nelke aussieht, wie sie riecht, wie sie schmeckt. Mit einem Versuch gelernt, das sitzt dann ein Leben lang. Die Biene lernt dabei nur, was für sie relevant ist. Zu dieser Lerntradition gibt es einige interessante Experimente, die u. a. zeigen, wie Bienen sich untereinander beobachten und wie beobachtete Bienen gewisse Tätigkeiten besser ausführen können als Bienen, die noch nie beobachtet wurden. Bienen lernen also durch Zuschauen.

Frage Uwe Rudolph (Grafik/Konzeption): Wie geht es den Bienen heute im Vergleich zu früheren Zeiten bzw. welche Probleme haben Bienen heute zu bewältigen?

Sagen wir mal so, wenn Wilhelm Busch – der ja selbst Imker war und einiges über Bienen gezeichnet und geschrieben hat – wüsste wie es unseren Bienen heute geht, er würde es nicht fassen können. Dass man Bienen im Sommer füttern muss, damit sie überleben beispielsweise; dass Bienenvölker verhungern sozusagen, das wäre für Wilhelm Buschs Verständnis unmöglich. Die Umwelt, die wir den Bienen und uns zumuten, ist alles andere als gut für die Bienen. Die intensive Landwirtschaft bringt eine Reihe von Problemen. Das naheliegende Problem für die Bienen sind die Insektizide, ohne die wir leider heute auch nicht auskommen. Denn sonst würden uns die Schädlinge die ganzen Ernten wegfressen. Wir brauchen die Insektizide – doch als Kollateralschaden eliminieren wir die Bienen mit, die ja auch Insekten sind. Ein weiteres Problem stellen die Monokulturen dar. So wunderbar gelber Raps blüht – nach zwei Wochen ist der Zauber vorbei, und es ist dann gar nichts mehr da. Diese zeitliche Einengung ist das eine Problem dabei. Die einseitige Ernährung das andere. Je mehr unterschiedliche Blumen die Bienen nutzen kann, desto besser geht es ihr.

Zwischenfrage Katja Lafferenz (Marketing): Das bedeutet also, wenn wir einen Waldhonig haben, der sich aus verschiedenen Blüten zusammensetzt ist das für Bienen und Menschen gesünder als beispielsweise ein Lindenblütenhonig? Anders gefragt: welcher Honig gewährleistet mir, dass es den Bienen gut ging bei der Produktion?

Es ist komplizierter – wie immer. Von den Blüten gewinnen die Bienen zwei Produktarten: Sie sammeln den Nektar, daraus wird der Honig gemacht. Im Honig ist nur der Energiegehalt interessant. Das ist überall der gleiche Zucker, egal ob das eine Lindenblüte war oder ein Gänseblümchen. Diesbezüglich gilt es keinen Unterschied bei den Honigen. Der Waldhonig dagegen hat damit gar nichts zu tun, da als Produkt hierfür die Ausscheidung von Blattläusen dient.

Relevanter dagegen ist der Blütenstaub, sprich die Pollen. Blütenstab ist das Kraftfutter. Hier sind die Proteine enthalten sowie die Spurenelemente. Vielseitige Pollen halten die Bienen gesund. Und die Pollen sammeln die Bienen nicht nur an Lindenblüten ein, sondern überall wo sie vorbeifliegen.

Und noch einmal kurz zurück zum Waldhonig: Pollenvielfalt ist gut, auf jeden Fall. Allerdings muss man differenzieren: Die Hauptquelle für Bienen in Waldgebieten sind Blattlauskolonien mit ihren Ausscheidungen – und nicht die Blütenpollen.

Frage Josh Schmidt (Text/Konzeption): Wann wissen Sie, dass etwas in Ihrem wissenschaftlichen Verständnis richtig ist, stimmig im Sinne von das stimmt jetzt so – und haben Sie dafür ein Beispiel?

Das ist natürlich ein großes Thema, wo soll man da anfangen und aufhören? Also was ich gelernt habe, gerade auch im Zusammenhang mit den neuen Erkenntnissen zum Bienentanz ist, wie mächtig und einflussreiche Seilschaften und Netzwerke sein können in der Wissenschaft. Als Wissenschaftler habe ich ganz naiv, wenn man so will, angefangen zu arbeiten. Ich dachte, da ist ein Gebiet, und nur was richtig ist zählt. Da kann doch nichts falsch sein. Aber da menschelt es enorm. Da spielt also viel mit hinein.

Einfacher ist die Frage zu beantworten, wenn ich mich an standardisierten Kriterien orientiere, wie z.B. der Statistik. Da hat man ein Signifikanzniveau, wenn das erreicht ist, dann halte ich das was ich da sage für richtig. Ich habe jedoch immer im Hinterkopf, es kann auch falsch sein. Wir sagen ja, dass die Wahrheit von heute der Irrtum von morgen ist. Das sollte jedem Wissenschaftler klar sein, abgesehen davon, dass wir generell nicht sagen können, wie die Welt funktioniert, da wir innerhalb unserer Systeme nie zu einem Ende kommen werden. Selbst in so formalen Systemen wie der Mathematik gibt es immer wieder Schlupflöcher die auftauchen und vieles wieder in Frage stellen.

Das Bauchgefühl spielt durchaus eine Rolle. Zu meiner aktiven Zeit an der Universität kamen immer wieder Studenten zu mir, um nach Themen zu fragen für ihre Abschlussarbeiten. Meine Antwort war dann oftmals: Leute, lest nichts. Weder im Internet noch in der Bibliothek. Denkt zuerst nach. Macht euch zuerst euer eigenes Bild – und lest erst dann. Das Erstaunen war meistens groß, wie anders und umfangreicher das eigene Bild war im Vergleich zu dem Nachgelesenen. Denn wenn ich mir im Vorfeld schon ein angelesenes Bild forme, schränkt das meinen weiteren Blick ein. Gerade in der Bienenforschung war meine Aufforderung an die Studenten immer: Denkt wie eine Biene! Lasst eure Fantasie spielen, stellt euch vor, ihr seid im Bienenvolk: was hättet ihr gerne, was muss da passieren, auf was muss man da achten? Wobei diese Vorgehensweise nicht als alleinige Erfolgsformel weitergegeben werden kann und sicher nicht für jeden Lerntyp gleichermaßen geeignet sein wird.

Mit diesem Bauchgefühl kann man als Wissenschaftler sicher nichts abschließen. Allerdings lassen sich dadurch neue Fragen finden und klarer beantworten. Ein Beispiel dafür ist mein letztes Buch, „Die Sprache der Bienen“. Für mich als Autor ist es am Ende einfach ein schönes Gefühl, wenn ich Fragen so formulieren kann, dass klar ist was gemeint ist und der nächste Schritt vollkommen klar erscheint.

Schlusswort: Katja Lafferenz (Marketing)

Herr Tautz, in diesem Sinne: Alles klar! Wir bedanken uns sehr für Ihre Zeit und Ihr Engagement, die sie für unsere Fragen aufgebracht haben. Wir hätten Ihnen noch ewig zuhören können. Unsere Motivation, uns weiterhin für die Belange der Bienen zu engagieren, ist dadurch nochmals enorm gewachsen. Es war uns eine große Freude. Vielen Dank!

TIPPS

So gelingt Ihre Bienenblumen-Aussaat

Zeitpunkt

Die beste Aussaatzeit ist idealerweise der Frühling von April bis Juni. Auf jeden Fall sollte der letzte Frost abgewartet werden.

Menge

Je weiter die Pflanzen im Beet auseinander stehen, desto kräftiger können sie sich entwickeln. Die Saaten-Mischung bitte nur leicht in den Boden eindrücken.

Standort

Die Bienenblüten mögen Sonne. Auf dem Balkon sollte der Platz idealerweise auch noch windgeschützt sein.

Boden

In einem gut vorbereiteten Saatbeet mit feinkrümeliger Erde keimen die Samen besonders gut. Als förderlich erweist sich ein Gemisch aus Gartenerde und Sand, dazu etwas Gartenkompost. Die Aussaat einfach auf den Rasen streuen funktioniert meist nicht; die Grasnarbe muss vorher abtragen werden. Düngen ist nicht nötig.

Pflege

Nach dem Säen sollte der Boden gleichmäßig feucht gehalten werden. Es ist kein Schnitt nötig.

GEWINNSPIEL

Jede Blüte zählt

Zeigen Sie uns im Sommer 2022 Ihre geballte Flower Power! Senden Sie uns Fotos Ihrer Blumen-beete oder -wiesen oder -töpfe. Ganz egal, jede Blüte zählt! Unter den Einsendungen verlosen wir hochinteressante Bücher von Juergen Tautz. Alles Weitere erfahren Sie dann in unseren entsprechenden Newslettern.